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Virtuelle plastische Chirurgie – Second Life


Second Life ist eines der derzeit erfolgreichsten Internetgames weltweit. Die Idee dahinter ist simpel: Man kreiert sich einen Avatar und bewegt sich durch eine virtuelle Welt, die von den Usern zum Großteil selbst erschaffen und genutzt wird. So findet man in Second Life Geschäfte, Boutiquen, Bars usw.. Gezahlt wird dabei stets mit “Linden Dollar“. Für diese virtuelle Währung gibt es sogar einen Wechselkurs. Dieser liegt bei circa 270 Linden Dollar zu einem echten Dollar. Man kann also in Second Life tatsächlich Geld ausgeben und verdienen.

Was einem Neuling sofort auffallen wird, ist das ihm in Second Life fast nur schöne “Menschen“ begegnen werden. Gerade gesellschaftskritische Zeitgenossen werden in Second Life auf die Reinkultur dessen stoßen, was auch unser wirkliches Gesellschaftsleben prägt: Konsum, Geltungsdrang ...... und das Schönheitsideal. Schon sonderbar, dass in einem Spiel, in dem jeder seine eigene plastische Chirurgie ist, so viel Wert auf Aussehen gelegt wird. Dabei ist es so, dass man sein Aussehen mit nur wenigen Handgriffen ändern kann. Aber es muss wohl in der natur eines solchen Mediums wie Second Life liegen, dass es letztlich mehr auf schein als Sein hinausläuft. Allerdings gibt es auch innerhalb con Second Life Spieler, die die Auswüchse der digitalen plastischen Chirurgie satt haben und demonstrativ unansehnlich Avatare herstellen. Ob das jetzt wirklich besser ist, einfach nur ein Statement oder das andere extrem? Wer weiß ......

Fakt ist, dass Second Life eine sehr oberflächliche Plattform ist, um mit anderen Menschen zu interagieren. So wird jemand, der sich nicht die Mühe macht ein eigenes “Skin“ für seinen Avatar zu kreieren oder für Geld einzigartige Bestandteile zu erwerben, automatisch für einen Neuling gehalten, da er das schablonenhafte Aussehen eines Standard-Avatars hat. Zudem hat auch Markenbewusstsein längst Einzug in das “zweite Leben“. So findet man dort unter anderem einen Shop von Adidas. Adidas will sich somit eine Präsenz in dieser “Parallelwelt“ schaffen. Dort verkaufen sie dann die digitalen Pendants ihrer echten Schuhe – und verdienen damit echtes Geld! 1,15 Millionen Linden Dollar hatte Adidas bereits bis beginn diesen Jahres umgesetzt. Na dann. Aber es geht auch noch besser: Der Avatar Stroker Serpentine (im echten Leben heißt der Mann Kevin Olderman) wurde durch Second Life zum Millionär! Und die Rede ist nicht von Linden Dollars. Er verkauft Betten, die Avataren gestatten im digitalen Liebestaumel miteinender zu verkehren. Außerdem bietet “Strokerz Toyz“ noch alle möglichen anderen “Spielzeuge“, die den sexuellen Bedürfnissen der Avatare Abhilfe schaffen sollen. Einige von den Gerätschaften erinnern stark an ein Zwischending aus Sado Maso und Inquisitionszubehör. Na ja, “anything goes“ in Second life.

Dabei hat Kevin Olderman nicht nur Glück gehabt. Er erkannte schlicht und ergreifend eine Marktlücke. Mittlerweile macht Sex rund 30 Prozent der gesamten Second Life Wirtschaft aus. Strokerz Toyz generiert im Jahr hunderttausende von echten Dollars. Es gibt sogar dutzende von Escort Services, die gegen echte Bezahlung, digitale Gesellschaft und digitalen Sex bieten. Wer weiß, welch reißenden Absatz plastische Chirurgen z.B. mit Facelift  in Second Life machen könnten, wenn nicht jeder dort selbst Herr seines Aussehens wäre?