Virtuelle
Ferienwohnung an der Ostsee
Im letzten Jahr haben sich gleich mehrere
Reiseanbieter (TUI, James Cook etc.) eine
Präsenz im Second Life aufgebaut und dort
virtuelles Urlaubsgefühl angeboten. Natürlich
haben die betreffenden Reiseanbieter bei dieser
Gelegenheit gleich dezent per Link auf ihre
echten Angebote hingewiesen. Ein Jahr später
bleibt festzustellen, dass das Konzept nicht so
wirklich aufging. Viele der aufgebauten
Präsenzen in Second Life werden vollautomatisch
gemanagt, worin
schon ein großer Fehler liegt. Dadurch fällt
die zwischenmenschliche Komponente weg, was
eigentlich Sinn eines solchen Engagements in
Second Life sein sollte. Dadurch könnte man
interessierten Kunden immerhin eine (halbwegs)
persönliche Beratung angedeihen lassen und
könnte so die Vorteile von dem Internet und
einem echten Beratungsgespräch ideal
kombinieren.
Allerdings scheint
sich die Nachfrage schwer in Grenzen zu halten.
Die echte Ferienwohnung an der Ostsee
(Ferienwohnung
Ostsee) ist für die meisten
Menschen (verständlicherweise) immer noch
reizvoller, als die virtuelle Ferienwohnung
an der Ostsee (gibt es überhaupt eine Ostsee
in Second Life?). Und ein Aufenthalt in
einem Hotel auf Rügen (Rügen
Hotel) bietet nun mal sehr
viel mehr Entspannung als ein Kurzurlaub
in Second Life. Wie es scheint, haben
also nicht allzu viele Avatare die
Urlaubsberatung in Second Life
wahrgenommen. Das mag zum einen daran
liegen, dass die meisten Menschen ihre
Zeit in SL lieber damit verbringen,
Linden Dollar zu verdienen oder sich mit
Freunden zu unterhalten, als den nächsten
Urlaub zu planen. Für viele mag aber auch
dieses ganze virtuelle Urlaubsgehabe fehl
am Platz gewirkt haben. Denn dass ein
echter Urlaub doch etwas mehr Erlebnis-
und Erholungswert bietet, als ein
virtueller Urlaub, ist wohl nicht so ohne
Weiteres von der Hand zu weisen. Also
blieben entsprechend auch jene
potenziellen Interessenten aus, die den
Links zum echten Urlaubsangebot von TUI
und Konsorten gefolgt sind. Und die
virtuelle Ferienwohnung verwaist vor sich
hin und das virtuelle Hotel erinnert
durch seine Leere eher an Shining als an
einen Erholungsurlaub.
Auch wenn der
Ansatz von Reiseberatung in SL vom
Grundsatz her sicher nicht schlecht war,
so ist er doch gescheitert. Woran mag das
gelegen haben? Wahrscheinlich, weil das Angebot
viel zu überladen war. Zum einen ist zu
bezweifeln, dass man die Bürger in SL durch
virtuellen Scheinurlaub zum Kaufen eines echten
Urlaubs bewegt. So gewaltig ist die
Suggestionskraft im Second Life dann doch
nicht. Und zum anderen hatte es insofern wenig
Sinn eine eigene Insel aufzubauen, weil viele
Avatare dann genau DORT nicht hingehen werden.
Sie schauen es sich kurz an, sagen “Toll!“,
(oder auch nicht) und gehen, ohne je wieder zu
kommen. Tja, viel Aufwand und leider nichts
erreicht. Alles in allem war das Bemühen der
Reiseanbieter wohl doch zu überladen und zu
sehr auf Selbstdarstellung ausgerichtet. Um den
Avataren effektiv Interesse an einem
Beratungsgespräch für echten Urlaub abzuringen,
hätte man genau dieses Angebot konsequenter in
den Mittelpunkt rücken sollen. Dann braucht man
auch keinen Online-instant-Urlaub.
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